Krafttraining im Kindesalter – stark werden von Anfang an
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Lange Zeit galt Krafttraining im Kindesalter als riskant.
Eltern, Lehrpersonen und sogar viele Trainer warnten davor – aus Angst vor Verletzungen oder einem vorzeitigen Verschluss der Wachstumsfugen. Doch moderne Trainingswissenschaft und Praxis zeigen klar: Diese Sorge ist unbegründet, wenn das Training richtig geplant und dosiert wird.
Krafttraining bei Kindern ist nicht gefährlich – sondern notwendig.
Denn es ist der Schlüssel zu gesunder Entwicklung, Belastbarkeit und motorischer Kompetenz.
Warum Krafttraining keine Frage des Alters ist
Die entscheidende Frage lautet nicht „Ab wann darf ein Kind Krafttraining machen?“
sondern: „Wie sollte Krafttraining in den unterschiedlichen Altersstufen gestaltet werden?“
Tatsächlich beginnt das Krafttraining mit dem ersten Atemzug.
Schon ein Neugeborenes muss sich mit der Schwerkraft auseinandersetzen – beim Anheben des Kopfes, beim Rollen, Krabbeln oder beim Aufstehen.
Diese scheinbar einfachen Bewegungen sind in Wahrheit hochkomplexe koordinative und kraftfordernde Aufgaben.
Ein Baby, das lernt, seinen Kopf zu heben, trainiert seine Nackenstrecker im Verhältnis zu seinem Körpergewicht in einem Bereich, der einem Maximalkrafttraining für Erwachsene entspricht.
Ein Kleinkind, das Stufen erklimmt, absolviert quasi einbeinige Kniebeugen mit vollem Körpergewicht.
Kinder, die klettern, springen oder raufen, trainieren Kraft, Stabilität und Gleichgewicht – ganz natürlich, ganzheitlich und spielerisch.
Diese frühen motorischen Erfahrungen bilden die Grundlage für alle späteren Bewegungen und sportlichen Fähigkeiten.
Was passiert, wenn Bewegung fehlt
Mit dem Eintritt ins Schulalter verändert sich vieles.
Sitzen, Bildschirmzeit und Bewegungsmangel dominieren den Alltag.
Bereits in den 1980er-Jahren zeigten Untersuchungen von Hollmann und Dordel, dass über die Hälfte aller 8- bis 18-Jährigen Haltungsschwächen oder -fehler aufweisen.
In den letzten Jahrzehnten hat sich diese Tendenz sogar verschärft:
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Immer mehr Kinder können keinen einzigen Klimmzug ausführen.
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Die Kraft- und Haltefähigkeit nimmt drastisch ab.
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Das Körperfett steigt, während Muskulatur und Knochenstruktur sich unzureichend entwickeln.
Gerade in der Wachstumsphase kann dies zu strukturellen Problemen führen – etwa bei der Entwicklung der Wirbelsäule oder der Gelenkstabilität.
Warum Krafttraining essenziell ist
Ein gezieltes, altersgerechtes Krafttraining bewirkt:
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20–40 % Kraftsteigerung bereits nach 8–18 Wochen (nach Studien von Falk, Faigenbaum & Sewall)
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Verbesserte Knochen- und Sehnenfestigkeit
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Stabilere Gelenkkapseln und Bänder
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Gesteigerte motorische Kontrolle und Körperwahrnehmung
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Reduziertes Verletzungsrisiko im Alltag und im Sport
Entscheidend ist die richtige Dosierung und Struktur.
Ein kindgerechtes Krafttraining ist kein „Miniatur-Bodybuilding“, sondern ein gezieltes Arbeiten mit kontrollierbaren Widerständen, häufig mit dem eigenen Körpergewicht oder leichten Zusatzlasten.
Auch das Risiko von Epiphysenfugenverletzungen ist bei korrekter Durchführung nicht höher als bei alltäglichen Belastungen – im Gegenteil:
Ein Sprung von einer kleinen Mauer erzeugt deutlich höhere Stoßkräfte als ein technisch korrekt ausgeführter Satz Kniebeugen mit moderatem Gewicht.
Kraft ist die Grundlage jeder Bewegung
Körperliche Kraft ist kein „Add-on“, sondern eine zentrale Komponente kindlicher Gesundheit und Leistungsfähigkeit.
Sie bildet die Basis für Haltung, Bewegungsqualität und sportliche Entwicklung.
Kinder, die regelmäßig vielseitig und progressiv trainieren, entwickeln:
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Bessere Körperkontrolle
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Gesündere Bewegungsmuster
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Höhere Knochendichte
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Mehr Selbstvertrauen und Spaß an Bewegung
Im Leistungssport gilt: Je früher ein Kind lernt, sich kontrolliert und kraftvoll zu bewegen, desto stabiler und verletzungsresistenter wird seine körperliche Basis.
Wie sollte Krafttraining im Kindesalter aussehen?
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Spielerisch, variabel und mit hohem koordinativem Anteil
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Fokus auf Bewegungskompetenz, nicht auf Gewicht
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Progressiv aufgebaut – vom Körpergewicht zur Zusatzlast
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Professionell begleitet durch erfahrene Trainer:innen oder Therapeut:innen
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Regelmäßig, aber altersgerecht: 2–3 Einheiten pro Woche genügen
Ein gut aufgebautes Kinder-Krafttraining ist immer differenziert, kontrolliert und kindgerecht dosiert – nie belastend, sondern befähigend.
Fazit – Stark von Anfang an
Krafttraining ist kein Risiko, sondern eine Investition in Gesundheit, Haltung und Leistungsfähigkeit.
Wer Kindern früh beibringt, ihren Körper zu verstehen und zu stärken, legt das Fundament für ein aktives, selbstbestimmtes Leben – ob im Sport oder im Alltag.
Das Wissen dazu stammt aus der Trainingswissenschaft, besonders aus den Grundlagenwerken von Axel Gottlob, Differenziertes Krafttraining – eine absolute Leseempfehlung für Trainer:innen, Therapeut:innen und Eltern, die verstehen möchten, wie Bewegung wirklich funktioniert.
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