Der Schultertest

Der Schultertest

EN DE

Athletics · Prävention · Lesezeit 5 Minuten

Es gibt einen Wert, den fast kein Kampfsportler kennt – und der darüber entscheidet, ob seine Schulter das nächste Trainingslager übersteht. Nicht das Bankdrücken. Nicht der Klimmzug. Das Verhältnis zwischen dem, was die Schulter nach vorne drückt, und dem, was sie nach aussen dreht.

Warum die Schulter zuerst nachgibt

Die Schulter ist das beweglichste Gelenk des Körpers – und deshalb das am wenigsten stabile. Sie wird nicht von Knochen gehalten, sondern von Muskeln: der Rotatorenmanschette, die den Oberarmkopf in der Pfanne zentriert. Wer jahrelang schlägt, drückt und wirft, trainiert die grossen Drücker – Brust, vorderer Deltamuskel, Trizeps. Die kleinen Aussenrotatoren, die das Ganze zusammenhalten, bekommen nichts.

Das Ergebnis ist ein Ungleichgewicht, das man nicht sieht und lange nicht spürt. Bis zum Trainingslager, in dem die Belastung verdoppelt wird und die Schulter zum ersten Mal Nein sagt.

Der Test: Aussenrotation gegen Druck

Der Schultertest misst das Verhältnis zwischen deiner Aussenrotationskraft und deiner Druckkraft. Die Grundidee stammt von Charles Poliquin: Die Aussenrotatoren sollten in einem bestimmten Verhältnis zur Druckkraft stehen – liegen sie deutlich darunter, ist die Schulter strukturell nicht im Gleichgewicht, egal wie stark der Athlet auf der Bank ist.

Der Test dauert fünf Minuten: Aussenrotation mit der Kurzhantel, Ellbogen am Körper, sauberes Tempo, acht Wiederholungen – und der Vergleich mit dem Druckwert. Die Referenzwerte und der Rechenweg stehen im E-Book «Du trainierst hart».

Was das Ergebnis dir sagt

  • Verhältnis im Rahmen: Deine Schulter ist strukturell ausgeglichen. Du kannst Druck und Explosivkraft aufbauen.
  • Verhältnis zu tief: Die Aussenrotatoren hinken hinterher. Jede weitere Drückeinheit vergrössert das Ungleichgewicht. Erst Orangegurt – Defizite auftrainieren –, dann weiter.
  • Links und rechts unterschiedlich: Meist die Schlagseite. Hier liegt das Verletzungsrisiko, und hier beginnt die Arbeit.

Was du dagegen tust

Nicht Bankdrücken streichen, sondern die Aussenrotatoren aufholen lassen: zwei bis drei Sätze Aussenrotation pro Einheit, langsames Tempo, saubere Endposition, dokumentiert wie jede andere Übung. Dazu Zugübungen im Verhältnis zu Druckübungen mindestens eins zu eins. Nach vier bis acht Wochen wird neu getestet.

Das ist unspektakuläre Arbeit. Sie ist der Unterschied zwischen einem Athleten, der mit 35 noch kämpft, und einem, der mit 28 wegen der Schulter aufhört.

Die Schulter, die im Ring versagt, hat im Gym seit Jahren gewarnt. Niemand hat gemessen.

Häufige Fragen

Kann ich den Schultertest allein machen?

Die Aussenrotation ja, mit einer leichten Kurzhantel. Für den Vergleich mit dem Druckwert brauchst du einen sauberen Sechs-Wiederholungs-Wert – besser mit jemandem, der Tempo und Ausführung kontrolliert.

Meine Schulter tut schon weh. Ist der Test trotzdem sinnvoll?

Bei Schmerzen zuerst zur Physiotherapie. Der Test ist Prävention und Einstufung, keine Diagnose.

Gilt der Test nur für Kampfsportler?

Er gilt für jeden, der viel drückt oder wirft – Schwimmer, Handballer, Kletterer, und jeder, der seit Jahren Bankdrücken trainiert und nie Aussenrotation.

Wie oft sollte ich testen?

Alle vier bis acht Wochen, im Rahmen der regulären Messung. Dieselbe Kurzhantel, dasselbe Tempo, damit die Werte vergleichbar sind.

PRIME Coaching

Du willst wissen, ob deine Schulter im Gleichgewicht ist?

Der Schultertest ist Teil des Athletik-Tests, der auf das kostenlose Strategiegespräch folgt. 30 Minuten, unverbindlich.

Kostenloses Strategiegespräch buchen

Mehr zum E-Book «Du trainierst hart»

José Fabricio Pelaez ist Coach bei JFP Athletics, Strength Coach mit sämtlichen Diplomen YPSI und KILO und bildet bei CorpoSana Physiotherapeuten und Trainer aus. Über uns

Back to blog